Das Schlagzeug ist sicherlich das Instrument mit der aufwendigsten Mikrofonierung. Streng genommen verbirgt sich dahinter eine ganze Ansammlung unterschiedlicher Instrumente. Bei der Positionierung muss man neben der Suche des „Sweet Spots“ auch darauf achten, dass die benachbarten Instrumente (Kessel) möglichst wenig mit abgenommen werden. Für diese Arbeit sind Mikrofone mit Supernierencharakteristik geradezu prädestiniert.
Die Bassdrum bildet, auch wegen der Frequenzen, die Basis. Die klassische Positionierung des Mikrofons ist im Kessel am Schlagfell. Dazu wird das Mikrofon mittels eines kleinen Statives durch ein Loch im Resonanzfell angebracht. Je näher das Mikrofon an das Schlagfell wandert, desto mehr Kick-Sound wird aufgenommen. Wird es weiter entfernt positioniert, wird mehr Anteil vom Kessel – also mehr „Wumms“ – mit aufgenommen.
Wandert das Mikrofon von der Mitte des Schlagfells näher an den Rand, wird der Klang dünner, aber auch differenzierter. Der große Vorteil bei dieser Mikrofonierung besteht darin, dass das Mikrofon samt Stativ dem Schlagzeuger nicht im Weg steht und die optimale Position durch Austesten und Vergleichshören gefunden werden kann. Als Mikrofon eignen sich spezielle Bassdrum Mikrofone, die aufgrund der großen Bauform speziell auf tiefe Frequenzen abgestimmt sind. Frequenzen über ca. 6 kHz werden stark beschnitten.
Weiter geht es zur Snare. Die klassische Abnahme erfolgt durch ein dynamisches Mikrofon von oben, am Rand, ca. 2 bis 7 cm oberhalb des Fells. Bei der Platzierung sollte man unbedingt darauf achten, dass bei einem Supernieren-Mikrofon die HiHat nicht von hinten in das Snare-Mikrofon strahlt.
Bei den Toms sind sowohl Kondensator- als auch dynamische Mikrofone üblich, die grundsätzlich platziert werden wie ein Mikrofon an der Snare. Der Vorteil der Kondensatormikrofone ist, dass sie als kleine Schwanenhals-Varianten direkt an den Tom-Rim angebracht werden können, was den aufwendigen Aufbau eines Stativs erspart. Zudem kann mit den Kondensatorkapseln ein knackigerer Klang abgenommen werden.
Overhead-Mikrofone werden in der Regel immer paarweise angewendet. Nicht unbedingt, um Stereo-Panning zu erlauben, sondern auch, um die Vielzahl der Becken mit ausgeglichener Lautstärke abzugreifen. Aufgrund der sehr hohen Frequenzen der Becken sollten Kondensatormikrofone eingesetzt werden. Diese werden über den Becken nach unten gerichtet aufgestellt. Je näher sie an die Becken kommen, desto eher wird der Rest des Schlagzeug-Sets ausgeblendet.
Auch für die HiHat sollte ein Kondensatormikrofon verwendet werden. In diesem Fall üblicherweise ein Kleinmambran-Mikrofon, welches direkt von oben auf die HiHat gerichtet wird. Der Sweet Spot kann an der HiHat entlang eines Radius gefunden werden.
Bei einer kompletten Schlagzeugabnahme werden schnell 7 und mehr Mikrofone, dementsprechend auch 7 Kanäle benötigt. Gerade im Bereich Homerecording stehen oft nicht genug Mikrofone zur Verfügung. Die Minimal-Abnahme sollte allerdings aus Bass-Drum, Snare und zwei Overheads bestehen. Die Overheads haben nun die Aufgabe sowohl den Becken, wie auch HiHat und Toms abzunehmen. Um einen ausgewogenen Klang zu erzielen, sollten die Mikrofone etwas höher positioniert werden wie bei der reinen Beckenabnahme.
Zur Mikrofonierung einer akustischen Gitarre werden in erster Linie Kondensatormikrofone verwendet – typischerweise Kleinmembraner, wobei auch Großmembran- Mikrofone durchaus reizvoll sein können. Wird das Mikrofon direkt auf das Schallloch gerichtet, klingt die Gitarre sehr basslastig. Zudem erhält man durch die Handbewegung einen sich verändernden Klang. Deshalb muss bei der Ausrichtung auf das Schallloch ein großzügiger Abstand eingehalten werden. Wandert das Mikrofon in Richtung Hals, wird der Klang zunehmend obertonreicher und brillanter, allerdings werden auch Griffgeräusche verstärkt mit aufgenommen. Dies kann manchmal von Vorteil sein – normalerweise ist dieser Effekt jedoch weniger erwünscht.
Bei einer Platzierung zwischen Schallloch und Steg wird meist ein ausgewogener Klang erzielt. Um der akustischen Gitarre mehr Leben einzuhauchen, werden zwei Mikrofone verwendet. Eines wird in Richtung Korpus gerichtet, das zweite in Richtung Hals (klassischer Punkt am 12. Bund). Das Mikrofon am Korpus kann gerne ein Großmembran- Mikrofon sein, das den warmen Klang unterstützt. Je nach Raum-Akustik und Geschmack kann man dieses Mikrofon auch in einem Abstand von einem Meter oder mehr platzieren.
Auch, wenn bei der E-Gitarre und E-Bass nicht die Gitarre an sich, sondern vielmehr der Lautsprecher abgenommen wird, spricht man hier von der Gitarrenabnahme. Bevor man das Mikrofon am Speaker ausrichtet, sollte geklärt werden, wo die einzelnen Lautsprecher sitzen. Oft sind zwei oder vier Lautsprecher in einer Box verbaut. Das Mikrofon kann dann auf einem Radius eines Speakers platziert werden. Wandert das Mikrofon weiter an den Rand des Lautsprechers, wird der Klang wärmer und indirekter. Bewegt es sich Richtung Mittelpunkt, wird der Sound spitzer und direkter.
Bei einem gerichteten Mikrofon wird der Klang, aufgrund des Nahbesprechungseffekts, bassbetonter, wenn das Mikrofon näher an den Speaker herangeführt wird. Vergrößert man den Abstand zum Lautsprecher, ist der Sound somit weniger basslastig, bekommt dafür aber mehr Raumanteil. Bei der Mikrofonierung von E-Gitarren und E-Bässen ist der hohe Schalldruck zu beachten. Daher werden hierfür hauptsächlich dynamische Mikrofone verwendet. Bei Verwendung eines Kondensatormikrofons ist darauf zu achten, dass auch der hohe Schalldruck verzerrungsfrei verarbeitet werden kann.
Die Abnahme eines Klaviers ist sicher die Königsdisziplin der Mikrofonierung. Zum Einen ist das Klavier, akustisch gesehen, das umfangsreichste Instrument. Es verfügt über einen sehr weiten Frequenzumfang (Saiten-Resonanz-Frequenzen 27,5 bis 4200 Hz; mit Oberwellen bis hin zu 12 kHz) und einen extrem breiten Dynamik- Umfang. Zum Anderen gibt es unzählige verschiedene Platzierungsmöglichkeiten für die Mikrofonierung.
Es gibt zahlreiche Artikel und Bücher, die sich mit der Abnahme eines Flügels beschäftigen und ebenso viele verschiedene Ansätze, so dass dieser Bereich in diesem Guide nur gestreift und auf die wichtigsten Grundlagen kurz eingegangen werden kann. Das Einzige, was bei allen Arten der verschiedenen Piano-Abnahmen eine Konstante darstellt, ist der Typ des Mikrofons. In der Regel kommen hier Kleinmembran-Kondensatormikrofone zum Zug, die meist paarweise verwendet werden, um ein Stereo-Bild zu erzielen.
Die tieferen Frequenzen werden standardmäßig nach links gebracht, die hohen dementsprechend nach rechts (so wie der Pianist es ebenfalls hören würde). Der Flügeldeckel sollte stets offen sein, da dies zu dem besten Klangergebnis führt. Statt der üblichen Standard-Niere kann man hier auch gerne mit Mikrofonen mit Kugelcharakteristik experimentieren, die von Natur aus originalgetreuer klingen.
Zur Standard-Mikrofonierung wird das Mikrofonpärchen ca. 30 bis 60 cm oberhalb der Saiten aufgestellt. Ein Mikrofon zeigt zu den tiefen Saiten, das zweite wiederum zu den hohen. Je näher das Pärchen in Richtung Hammer-Mechanik wandert, desto brillanter klingt der Flügel. Leider werden damit auch vermehrt die Mechanikgeräusche der Hammer und Pedale mit aufgezeichnet. Hier muss ein vernünftiger Kompromiss gefunden werden. Bei allen Abnahmen ist es wichtig, einen „Sweet Spot“ zu suchen, denn das Verrücken der Mikrofone um wenige Zentimeter kann bereits massive Auswirkungen auf den Klang haben.
Die häufigsten Instrumenten-Abnahmen, die beim Homerecoding zum Einsatz kommen, wurden kurz angerissen. Es kann in diesem Recording Guide nicht auf jedes Musikinstrument im Einzelnen eingegangen werden, generell lassen sich aber für die meisten weiteren Instrumente Kleinmembran-Kondensatormikrofone empfehlen. Allerdings variieren die Mikrofon-Positionierungen bei den einzelnen Instrumenten, deshalb gilt auch hier die Devise: Ausprobieren und den eigenen Ohren vertrauen. Bei der Aufnahme einer kompletten Band sollte für jedes Instrument ein eigenes Mikrofon und eine eigene Spur verwendet werden.
Um das beste Ergebnisse zu erzielen, sollten die verschiedenen Instrumente einzeln und nacheinander aufgenommen werden. Dadurch wird vermieden, dass z.B. im Hintergrund der Gitarrenspur noch das Schlagzeug zu hören ist. Eine Gesamtabnahme der ganzen Band mit nur einem oder zwei Mikrofonen wird keine hochwertige Klangqualität erzielen können und sollte daher nur als kurzer Mitschnitt dienen, um Ideen festzuhalten.